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Große Zukunft mit kleinen Helden

08.07.2010 - 09:17

Land und Kirche werben um Erzieher(innen): In Hessen werden 8000 zusätzliche Kräfte gesucht

Minister Banzer und Bischof Tebartz - van Elst

Hessens Familienminister Jürgen Banzer (CDU) und Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst eröffneten gestern in Limburg eine Kampagne: Unter dem Titel «Große Zukunft mit kleinen Helden» werben Land und Kirche für den Erzieherberuf.

Minister und Bischof waren sich einig: Es gibt kaum eine wichtigere und schönere Aufgabe, als Kinder von klein auf beim Heranwachsen zu begleiten und ihnen zu helfen, ihre Interessen und Begabungen zu entdecken und zu entfalten. Beide appellierten leidenschaftlich an junge Menschen, Erzieher(in) zu werden und stellten die positiven Seiten des Berufs heraus. Der Politiker sprach allerdings auch ein «Ärgernis» an, das Interessenten die Entscheidung erschwert. In der langen Ausbildungszeit (fünf Jahre) gibt es keine Vergütung. «Wir sind auf dem Weg, die finanzielle Situation zu verbessern», sagte Banzer.

Trotz dieses Nachteils ist er ebenso wie der Bischof fest davon überzeugt, dass es sich für engagierte junge Frauen und Männer lohnt, Erzieher(in) zu werden. Nicht nur wegen der reizvollen Arbeit mit den Kindern, sondern auch aufgrund der wirtschaftlichen Sicherheit. «Wer auf diesen krisensicheren Beruf setzt, der muss sich um seine berufliche Zukunft keine Gedanken machen», sagte der Staatsminister.


Erheblicher Bedarf

In Hessen würden in den nächsten Jahren mindestens 8000 zusätzliche Erzieher(innen) gebraucht. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige ab 2013, kleinere Gruppen und eine Stärkung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Kindertageseinrichtungen sorgten für einen erheblichen Bedarf an zusätzlichen Fachkräften. In den 3849 Kitas in Hessen seien derzeit etwa 41 000 Personen tätig.

In der katholischen Kindertagesstätte St. Nikolaus am Huttig erläuterte der Bischof die Bemühungen der katholischen Kirche, motivierte und tüchtige Kräfte für diese bedeutungsvolle Tätigkeit zu gewinnen. Die Kindertageseinrichtungen seien für das Bistum Limburg ein zentraler Lern- und Erfahrungsort des Glaubens und christlicher Werte. «Wir suchen motivierte Christen, die bereit sind, die Zukunft unserer Kirche und Gesellschaft an entscheidender Stelle mitzugestalten», sagte Tebartz-van Elst. Durch verschiedene Faktoren wie längere Verweildauer, Ganztagsbetreuung und Angebote für unter Dreijährige wachse nicht nur der quantitative Personalbedarf: Gleichzeitig steige die Verantwortung, die entsprechende Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung vorzuhalten. «Hier sehen wir unsere besondere Aufgabe als Kirche, durch die Aus- und Fortbildung nicht nur die fachliche, sondern auch die geistliche, religionspädagogische und persönliche Qualifikation der Erzieher(innen) sicherzustellen», erläuterte der Bischof.

Er griff das vom Papst geprägte Wort vom «Mysterium des Senfkorns» auf. Das Senfkorn sei das kleinste unter den Samenkörnern, ausgewachsen jedoch größer als alle übrigen Gartengewächse. «Das Wort soll uns ermutigen, klein anzufangen, den Samen zu säen, um Großes wachsen zu lassen. Genau das tun die Erzieher(innen) n unseren Kindertageseinrichtungen», sagte der Bischof.

Die Einrichtungen des Bistums seien dabei offen für Kinder aller Religionen und auch für solche ohne konfessionelle Bindung. Tebartz-van Elst wörtlich: «Wir respektieren andere Weltanschauungen. Aber wir verstehen zugleich die Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft als Orte der Pastoral mit christlich-kirchlicher Identität.»


Pionierarbeit

Dompfarrer Dr. Wolfgang Pax hatte das Treffen in seiner Funktion als Vorsitzender des Gesamtverbandes der Katholischen Kirchengemeinden Limburg eröffnet, der Träger von zwölf Kitas in der Stadt ist. Die Einrichtung am Huttig, wo 28 Erzieher(innen) derzeit zwei Krabbel- und fünf Kita-Gruppen sowie 60 Hortplätze betreuen, habe schon immer Pionierarbeit geleistet und z.B. sehr früh die Öffnungszeit bis 17 Uhr verlängert.

Dr. Joachim Ackva, Leiter der Marienschule, stellte die Fachschule für Sozialpädagogik an der Marienschule vor, in der Erzieher(innen) ausgebildet werden. Vera Arras, Leiterin von «St. Nikolaus», sagte, dass es im Beruf mit Spaß und Kinderspielen schon lange nicht mehr getan ist. «Wir nehmen heute elementare Erziehungs- und Bildungsaufgaben wahr.»

Im hessischen Gebietsanteil des Bistums Limburg sind 226 Kindertagesstätten mit rund 2600 pädagogischen Mitarbeitern in katholischer Trägerschaft. Dort werden täglich circa 20 000 Kinder ausgebildet, erzogen und betreut. Mit der Kampagne will die Landesregierung nach Angaben Banzers verschiedene Zielgruppen ansprechen: junge Frauen mit Mittlerer Reife oder Abitur ebenso wie junge Männer mit diesen Schulabschlüssen, die in Kindertageseinrichtungen bislang deutlich unterrepräsentiert sind, zudem Quereinsteiger. Informationen unter http://www.grosse-zukunft-erzieher.de. hei hei
 

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